10.09.2018

Natixis Investment Managers

Nachhaltige Finanz­wirtschaft: Anlegen für das Zwei-Grad-Ziel

Herr Paul, was war der Anlass für die Entwicklung einer neuen Methode zur Berechnung des Klima­effekts?

Mirova, eine Tochter­gesell­schaft von Natixis Investment Managers, ist ein auf verant­wortungs­bewusste Investments spezia­lisierter Asset Manager mit einem verwal­teten Anlage­vermögen (AuM) von insgesamt 9,3 Mrd. Euro. Anfang dieses Jahres hat Mirova seine neue «Climate Impact Metho­dology» vorgestellt. Diese ist das Ergebnis von vier Jahren Forschungs­arbeit zu den Auswir­kungen von Invest­ment­portfolios auf den Klima­wandel.

Letzten Monat traf ich mich mit Manuel Coeslier, Aktien­portfolio-Manager bei Mirova und Mitglied der technischen Experten­gruppe für «Nachhal­tige Finanz­wirt­schaft» der Euro­päischen Kommission, und fragte ihn, wie Mirova Invest­ment­lösungen entwickelt, mit denen sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen lässt.

Seit dem Übereinkommen von Paris (COP21) im Dezember 2015 suchen führende Insti­tutionen weltweit nach Lösungen, die es ihnen ermög­lichen, den Einfluss ihrer Invest­ment­port­folios auf den Klima­wandel besser zu verstehen. Aber es gab bisher einfach keine zuver­lässigen Möglich­keiten, die nega­tiven oder posi­tiven Einflüsse der Unter­nehmen auf das Klima genau zu bestimmen, geschweige denn die Auswir­kungen eines Geschäfts­modells in seiner Gesamtheit.

Da wir mit den beste­henden Methoden nicht zufrieden waren, haben wir uns mit Experten zusammen­geschlossen und eine inno­vative Methode entwickelt, mit deren Hilfe sich sowohl verursachte als auch vermie­dene Emissionen im Rahmen eines kompletten Lebens­zyklus berechnen lassen. Aus diesen Daten wird dann ein Klimas­zenario-Indi­kator auf Portfolio­ebene erstellt, der uns dabei hilft, die relative Auswirkung unserer Strategien zu verstehen, und uns einen Leit­plan für die Neuaus­richtung von Investments bietet.

Welche Erkenntnis hat Ihnen Ihr Research über den Zustand der Unternehmen von heute gebracht?

Die meisten Indizes repräsentieren eine Wirtschaft, die eine Erder­wärmung von 4,5° C bis 5,5° C bewirkt - ein Klimas­zenario, das bereits in der nahen Zukunft schwer­wiegende nachtei­lige Folgen mit sich bringt. Die Sektoren, die am meisten zum Klima­wandel beitragen, machen einen Gross­teil dieser wichtigen Indizes aus, und grosse Unter­nehmen in diesen Branchen haben bisher noch keine Lösungen entwickelt, um ihren Beitrag zu der auf fossilen Brenn­stoffen beru­henden Wirtschaft auszu­gleichen.

Daher richten sich passiv verwal­tete Fonds und ETFs, die tradi­tionelle Indizes nach­bilden, an der «alten» Wirtschaft aus, anstatt zu versuchen, diese mit der neuen CO2-armen oder klima­effi­zienten Wirtschaft in Einklang zu bringen. Klimabe­wusste Anleger können es sich aber nicht leisten, einfach nur die führenden Indizes nach­zubilden, wenn sie die von ihnen verant­wortete Umwelt­belastung redu­zieren und ihren Beitrag zum Energie­wandel leisten möchten.

Haben Sie die Methode bei Mirova bereits angewandt?

Wir haben den Klima­effekt unserer Strategien verbessert, indem wir die von diesen produ­zierten Emissionen gesenkt und gleich­zeitig ihren Beitrag zur Emissions­vermeidung verbessert haben, um so das Zwei-Grad-Ziel einzu­halten. Gleich­zeitig achten wir darauf, die Wertent­wicklung nicht zu beeinträch­tigen. Heute sind unsere konsoli­dierten Aktien­fonds mit einem Szenario von 1,5° C kompatibel; vor zwei Jahren lagen wir noch bei 2,9° C.

Durch dieses aktive, klima­bewusste Mana­gement sowohl der diver­sifi­zierten als auch der thema­tischen Strategien hat Mirova den Klima­effekt seiner Investments nach­haltig verbessert - und somit auch die damit verbun­denen Risiken und Chancen vermindert bzw. optimiert. All dies mit dem Ziel, eine nachhaltige und lang­fristige Wertent­wicklung zu generieren.

Wir wissen, wie man ein möglichst CO2-neutrales oder -redu­ziertes Portfolio zusammen­stellt, und haben ein gutes Verständnis, wie man Unter­nehmen einbindet, die einen posi­tiven Ausgleich schaffen und so die Gesamt­bilanz des Portfolios verbessern. Inzwischen arbeiten wir bereits an einem neuen Projekt, bei dem wir uns ein höheres Ziel als nur eine niedrige Klima­bilanz (Carbon Footprint) gesteckt haben - wir wollen eine zukunfts­weisende klima­neutrale Strategie entwickeln.

Wir sind überzeugt, dass klimabewusste, aktiv verwal­tete Anlage­strategien die einzige Möglich­keit sind, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten.

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