16.02.2026

Shareholder Value Management AG

Value-Rotation gleicht Tech-Verluste aus

Die laufende Berichtssaison hat vor allem in den USA die Börsen ganz schön durcheinandergewirbelt. Vor allem die Big-Techs mussten Federn lassen. Und dass, obwohl sie zum Teil gute Zahlen ausgewiesen haben.

„AI Scare Trade“: Skeptische Investoren

 
Die Berichtssaison steht klar im Zeichen einer zunehmenden Differenzierung zwischen Ergebnissen und Erwartungen. Ob Alphabet, Microsoft oder Amazon – die Zahlen waren solide bis zum Teil sogar sehr gut, doch sobald die Unternehmen ihre Pläne zur Ausweitung der KI-Kapazitäten, die Infrastruktur und Energieversorgung bekanntgaben, war es mit der Herrlichkeit vorbei: Die waren den Investoren einfach zu hoch. Die Folge: Die Papiere fielen zum Teil zweistellig. Und einen Spitznamen gibt es für dieses Phänomen auch schon: „AI Scare Trade“! Dabei verkaufen Anleger in großem Stil Aktien von Unternehmen, bei denen sie die Gefahr sehen, dass neue KI-Tools die Umsätze wegbrechen lassen. Dass sich dabei eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen den Verkäufen und den Fundamentaldaten der Unternehmen auftut, steht auf einem anderen Blatt.
Die wirtschaftlichen Folgen sind aber verheerend: Neuesten Schätzungen zufolge wurden bei Softwaretiteln weltweit seit Mitte Januar zwei Billionen Dollar Börsenwert ausradiert. Damals stellte Anthropic zwei Agenten vor, an die Unternehmen zum einen ihr gesamtes Kundenmanagement oder auch juristische Prozesse wie Vertragsprüfungen abgeben können. Die Anleger reagieren darauf sofort und verkauften Papiere von betroffenen Unternehmen.
 

Wo bleibt die Rendite? Billionen-Investitionen müssen sich auch lohnen

 
Das soll jetzt nicht heißen, dass Alphabet, Microsoft & Co., die auch in unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen oder dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value zu finden sind, jetzt auf einmal out sind. Dazu haben die Konzerne viel zu tiefe Taschen und können hohe Investitionen stemmen. Aber die blanken Zahlen lassen einen schwindlig werden: Bis 2030 könnten die weltweiten Investitionen in KI-Infrastruktur, insbesondere in Rechenzentren, auf 3 bis 4 Billionen US-Dollar steigen, so die Erwartung einiger Analysten. Das ist auch für die Cash-Maschinen aus dem Silicon Valley eine kaum zu stemmende Summe. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass dieses Geld auch noch eine ansehnliche Rendite erwirtschaften soll. Deshalb ist die Nervosität der Investoren derzeit sehr ausgeprägt.
Hinzu kommt: Die Konzentration in den großen Indizes ist vielen Anlegern zu extrem geworden. Die zehn größten US-Aktien machen aktuell 39 Prozent des S&P 500 aus – zu Zeiten des Dotcom-Booms waren es 26 Prozent. So viel Gewicht auf wenigen Schultern erhöht natürlich das Risiko, dass einzelne Enttäuschungen den gesamten Index wackeln lassen.
 

Rotation: Value sticht Growth aus!

 
Aber: Wohin mit dem Geld? Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht. Sie teilte den Russell 1000-Index in Value- und Growth-Titel auf. Dabei wurde deutlich: Seit Mitte Dezember hängte Value die Growth-Titel klar ab: Während die Value-Titel fast zehn Prozentpunkte zulegten, fielen die Growth-Aktien im Russell 1000 um drei Prozentpunkte zurück. 12 Prozentpunkte Differenz zwischen den beiden Kategorien – das ist im Schnitt mehr als eine Jahresperformance!
Das bestätigt uns als Value-Investoren natürlich. Der Markt erkennt nämlich wieder, dass sich Investitionen in „handfeste“, solide und ertragsreiche Geschäftsmodelle durchaus lohnen. Diese Rotation heißt aber nicht automatisch, dass Tech-Titel weiter fallen müssen. Oft steigt der Markt weiter, nur die Führung wechselt halt. Das wird auch dadurch deutlich: Im Schnitt erreichte das Gewinnwachstum laut den jüngsten Quartalsberichten über alle Titel hinweg nach Bloomberg-Berechnungen 14,5 Prozent. Das ist der höchste Wert seit vier Jahren. Zudem stieg die Zahl der Sektoren, die einen positiven Wachstumsbeitrag zum S&P liefern, auf acht von elf. Der Markt nimmt also an Breite zu.
 

Europäische Nebenwerte stark gewichtet

 
Das kommt unserem Modern Value-Ansatz natürlich sehr entgegen, bei dem wir in Qualitätsunternehmen mit starken Wettbewerbsvorteilen, also einem „Burggraben“, investieren. Und dabei bevorzugen wir europäische Titel mit vernünftigen Bewertungen. Dazu gehört etwa das britische Spezial-Chemie-Unternehmen Croda, oder, um im selben Sektor zu bleiben, der international führende Vermarkter von Spezialchemikalien, IMDC. Aber auch die italienische Interpump Group oder die norwegische Finanzgruppe Storebrand. Das sind alles Werte aus der zweiten Reihe. Aber wir sind davon überzeugt, dass neben Value auch Nebenwerte noch reichlich Aufholpotential haben.

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